Adoption im Erbrecht

Die Adoption ist auch für das Erbrecht und die Nachfolgeplanung interessant. Die Adoption spielt auch in unserer Beratungspraxis eine immer größere Rolle, zum einen weil Kinder häufig mit einem neuen Partner der Eltern in einer gemeinsamen Familien leben und die Adoption rechtlich nachvollzieht, was schon familiäre Realität ist, zum anderen weil die Adoption im Erbrecht viele Vorteile haben kann. Warum Adoption:

Das gesetzliche Erbrecht, das Erbschaftsteuerrecht und das Pflichtteilsrecht begünstigen eigene Kinder als nahe Verwandte.

Verwandtschaft entsteht aber nicht nur durch Geburt, sondern kann auch durch Adoption erreicht werden. Bei der Adoption wird unabhängig von der biologischen Abstammung ein Verwandtschaftsverhältnis, insbesondere ein Eltern-Kind-Verhältnis zwischen dem Annehmenden und dem Angenommenen, geschaffen. Das wirkt sich auch auf die erbrechtliche Stellung aus.

Unterschiede bei Adoption von Volljährigen und Minderjährigen?

Sowohl Minderjährige, als auch Volljährige können adoptiert werden.

Volladoption: Wird ein Minderjähriger adoptiert, führt dies zu den gleichen verwandtschaftlichen Beziehungen mit dem Annehmenden und dessen Verwandten wie bei einem biologischen Kind, § 1754 BGB. Gleichzeitig erlöschen die bisherigen Verwandtschaftsverhältnisse des Kindes zu seiner alten Familie, § 1755 BGB. Bei der Adoption eines Stiefkindes gilt dies natürlich im Verhältnis zum anderen, dem leiblichen Elternteil nicht, § 1755 Abs. 2 BGB.

Wird ein Volljähriger adoptiert, wirkt sich das im Normalfall nur auf die rechtlichen Beziehungen des Annehmenden und des Angenommenen aus. Die übrigen Verwandtschaftsverhältnisse ändern sich nicht, § 1770 BGB.

Das adoptierte Kind hat dann rechtlich neben seinen Eltern noch die neuen Eltern und kann auch alle beerben. Hinsichtlich der weiteren Verwandten bleibt es beim Erbrecht nur nach Verwandten der bisherigen Familie.

Adoption mit starken Wirkungen oder mit schwachen Wirkungen

Wegen dieser unterschiedlichen Rechtsfolgen zwischen Minderjährigen- und Völljährigenadoption bezeichnet man die Adoption minderjähriger Kinder auch als „Adoption mit starken Wirkungen“, die Adoption Volljähriger als „Adoption mit schwachen Wirkungen“.

Im Ausnahmefall kann aber auch bei der Adoption eines Volljährigen eine Volladoption erreicht werden, § 1772 BGB. Mehr Informationen zur Adoption eines Volljährigen hier

Welche Vorteile hat eine Adoption im Erbrecht genau?

Die Adoption ist eigentlich ein Instrument des Familienrechts und dient der Fürsorge für elternlose Kinder.

Die Adoption ist zudem der rechtliche Weg, aus einem Elternteil mit Kind und einem neuen Lebenspartner auch rechtlich eine „richtige Familie“ zu machen. Deshalb bestehen nach einer Adoption gegenseitige Unterhaltsverpflichtungen.

Die Adoption kann aber – in Grenzen –  auch bei der Planung der Vermögensnachfolge und Nachfolgeregelung eingesetzt werden.

Zu beachten ist aber das Namensrecht und Namensänderung bei der Erwachsenenadoption.

Adoption kann Pflichtteile reduzieren

Das angenommene Kind wird bei der Volladoption rechtlich ein leibliches Kind. Damit wird das angenommene Kind gesetzlicher Erbe des Annehmenden und auch der Verwandten des Annehmenden. Es beerbt dann nicht nur die annehmenden Eltern, sondern ebenso deren Verwandte.

Das Erbrecht zu den „alten“ Verwandten ist im Gegenzug erloschen.

Man kann zwar diese Erbenstellung auch durch Testament erreichen, die Stellung als gesetzlicher Erbe hat aber andere Vorteile, insbesondere wegen der Auswirkungen auf die Pflichtteilsansprüche anderer Verwandter.

Da es für die Berechnung von deren Pflichtteilen auf deren Erbquote ankommt, und sich die Erbquote je Erbe durch „neue“ gesetzliche Erben verringert, ist die Adoption ein Weg, Pflichtteile zu reduzieren.

Adoption kann Erbschaftsteuer sparen

Die Annahme als Kind kann aber auch erhebliche erbschaftsteuerliche Vorteile haben.

Nicht-Verwandte haben bei der Erbschaftsteuer im Normalfall nur einen Freibetrag 20.000 €. Durch die Adoption erhöht sich dieser Freibetrag für ein Kind auf 400.000 €, § 16 Erbschaftsteuer- und Schenkungsteuergesetz (ErbStG). (Anmerkung: Obwohl Stiefkinder als Kind des Ehepartners nicht mit dem Stiefelternteil verwandt sind und kein gesetzliches Erbrecht haben, haben sie als testamentarischer Erbe trotzdem den hohen Freibetrag wie ein eigenes Kind. Mehr zu Patchworkfamilien lesen Sie bitte hier.)

Wenn dieser Freibetrag ausgeschöpft wird, erbt das angenommene Kind ebenfalls in Steuerklasse I und wird damit geringer besteuert, § 15 I ErbStG.

Hat eine Adoption auch Nachteile?

Bedenken muss man vor einer Entscheidung für die Adoption in jedem Fall die durch die Adoption entstehenden Unterhaltsverpflichtungen.

Zwar schulden Eltern in erster Linie Kindern Unterhalt, aber gerade im Alter und bei Pflegebürftigkeit der Eltern kommt auch eine Unterhaltspflicht der Kinder für Ihre Eltern in Betracht.

Wird ein Kind adoptiert, ist es rechtlich ein Kind des Angenommenen und ist damit dem Grunde nach dem neuen Elternteil gegenüber auch unterhaltsverpflichtet.

Bei Bedürftigkeit eines Elternteils ist die Geltendmachung des Unterhalts unter Umständen auch der freien Entscheidung der Familie Mitglieder entzogen:

Beispiel: Durch die Adoption wird der Lebenspartner der Mutter rechtlich zum Vater des Kindes. Wird er später pflegebedürftig und muss ins Heim und reicht sein Vermögen und seine Rente nicht, die Heimkosten zu bezahlen, springt das Sozialamt ein, versucht aber, das Geld vom angenommenen Kind zurückzufordern.

Etwa bestehende Unterhaltsansprüche des Vaters gegen das Kind gehen gemäß § 94 ISGB XII auf das Sozialamt automatisch über. Das Sozialamt fordert den Unterhalt für die Eltern bei den Kindern ein.

Naheliegend ist die Idee, dass der annehmende Elternteil auf sein Unterhaltsrecht verzichtet, um seinen Kind das Haftungsrisiko durch das Sozialamt zu ersparen.  Allerdings ist ein Verzicht auf zukünftigen Unterhalt rechtlich nicht möglich, § 1614 BGB.

Fazit: Insbesondere mit Blick auf die möglichen hohen Kosten eines Alten-bzw. Pflegeheims des Adoptivelternteils ist in jedem Einzelfall zu prüfen, ob eine Adoption sinnvoll ist. Bei hohen Vermögen, bei denen die Adoption vor allem der Reduzierung von Erbschaftsteuer dienen soll, sind aber auch Unterhaltsansprüche der Eltern auch im Alter eher nicht das Problem und sprechen dann nicht gegen eine Adoption.

Wie funktioniert die Adoption?

Zuerst muss der Annehmende über einen Notar einen Adoptionsantrag beim zuständigen Familiengericht stellen. Soll ein Volljähriger adoptiert werden, muss dieser auch die Adoption beantragen.

Das Familiengericht prüft und entscheidet dann über die Adoption, §§ 186 -199 FamFG. Örtlich zuständig ist das Familiengericht, in dessen Bezirk der Annehmende seinen gewöhnlichen Aufenthalt hat, § 187 FamFG. Wohnt der Annehmende beispielsweise in Leipzig, ist das Familiengericht beim Amtsgericht Leipzig zuständig.

Zwingend an dem Verfahren zu beteiligen sind der Annehmende und der Anzunehmende, gegebenenfalls die Eltern des Anzunehmenden, der Ehegatte des Annehmenden und der Ehegatte des Anzunehmenden, sowie andere Kinder des Annehmenden. Diese werden vom Gericht angehört.

Was kostet eine Adoption?

Es fallen jeweils Kosten beim Notar und beim Familiengericht an.

Beim Notar kostet die Beantragung nach dem Gerichts- und Notarkostengesetz für Minderjährige 60 Euro plus Auslagen und Mehrwertsteuer, sonst richten sich die Gebühren nach den Einkommens- und Vermögensverhältnissen des Annehmenden.

Die Gerichtskosten für die Adoption Volljähriger werden nach dem Gesetz über Gerichtskosten in Familiensachen (FamGKG) berechnet. Maßgeblich ist für die Berechnung der Wert der Angelegenheit.

Für nichtvermögensrechtliche Angelegenheiten, zu denen Adoptionsverfahren gehören, ordnet § 42 FamGKG an, dass der Wert „unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles, insbesondere des Umfangs und der Bedeutung der Sache und der Vermögens- und Einkommensverhältnisse der Beteiligten, nach billigem Ermessen zu bestimmen (ist), jedoch nicht über 500 000 Euro“ (Abs. 2).  Falls  keine genügenden Anhaltspunkte bestehen, ist der Auffangwert gemäß § 42 Abs. 3 FamGKG 5000 Euro, woraus sich dann die Gerichtskosten berechnen. Die Höhe einer Gebühr ist 292,00 €. Gemäß FamGKG Kostenverzeichnis Nr. 1320 fallen bei der Adoption im Normalfall zwei Gebühren an, also 584 Euro.

Das Amtsgericht kann sich bei seiner Entscheidung an den Angaben zum Wert in der notariellen Urkunde zur Beantragung der Adoption orientieren, OLG Düsseldorf Beschluss vom 29. Juni 2010, Az. II-8 WF 205/10.

Bei einer Minderjährigenadoption fallen keine Gerichtsgebühren an.

Was passiert mit dem Familiennamen bei der Adoption?

Zum Namensrecht und Namensänderung bei der Erwachsenenadoption:

Kann der nicht verheiratete Lebenspartner das Kind des anderen Partners adoptieren?

Dazu BGH – Beschluss vom 8. Februar 2017 – XII ZB 586/15

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